
Eros und Tod. Das große Thema der Kunst durch alle Zeiten hindurch ist auch für den gebürtigen Russen Vania Zouravliov maßgeblich. Früh als zeichnerisches Wunderkind apostrophiert, bestreitet er bereits als Schüler erste Ausstellungen.
Nach seiner Übersiedlung nach Großbritannien ist er das enfant terrible an seiner Edinburgher Kunsthochschule, bevor ihm in London die ersten größeren Erfolge gelingen. Zouravliov ist ein klassischer Zeichner, experimentiert jedoch auch mit Fotografie und anderen Techniken. Auch motivisch stehen seine Arbeiten in einer langen Tradition. Überirdisch-schöne, feenhafte Frauen posieren vor leeren Hintergründen, werden von verschlungenen Ranken umwuchert und von Knochenmännern begleitet.
Als Gegensymbole zu Jugend und Blumen finden sich allenthalben Schädel und Gebeine, die schönen Körper sind zuweilen verletzt oder von Dornen bedroht. Die Vanitas-Motivik verweist hier jedoch weniger auf barocke Vorbilder, vielmehr sind noch romantische Topoi lebendig. Neben den fantastischen Aspekten und der ersehnten Verbindung zur Natur ist es vor allem das Motiv ‚Tod und Mädchen’, welches über die Romantik bis ins Mittelalter zurückverfolgt werden kann.
Überhaupt besitzt Zouravliov ein profundes imaginäres Museum. Stilistisch stehen ihm neben der klassischen Linearität eines Ingres zunächst die von der Romantik beeinflussten englischen Präraffaeliten nahe, deren schwelgerisch-sinnliche Frauengestalten und ornamentalen Bildauffassungen im Jugendstil aufgenommen werden. Auch die japanische Druckgrafik, beispielsweise eines Utamaro muss in diesem Zusammenhang genannt werden.
Neben Zouravliovs präziser Strichführung ist außerdem die souveräne Modellierung der Figuren zu beachten, die zuweilen beinah fotorealistische Schärfe erreicht. Ferner existiert ein starker Konnex zur surrealistischen Thematisierung von Erotik und Gewalt, wie sie beispielsweise Hans Bellmer mit seinen poupées unternommen hat. Was sagen diese Arbeiten nun aus? Wird hier lediglich eine dekorative, latent masochistische Erotik zu Papier gebracht?
Mit Entschiedenheit nein. Aller Anmut der Linie und verschlungenen Ornamentik steht nicht nur die Vanitas-Symbolik entgegen, sondern auch der Schatten der Melancholie, der auf den Figuren liegt und ihnen das Nur-Gefällige verweigert. Es ist eine Feier der Schönheit, ja. Ebenso jedoch ist es der spitze Dorn des Todes, der die Sinnlichkeit des Daseins in Zouravliovs Zeichnungen beinah schmerzhaft fühlbar macht.