Künstler

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Tim Dinter



Das ist das Schicksal des Großstadtcowboys. Eingeklemmt in den Rahmen einer Werbetafel scheint der Westernheld durch die steinerne Prärie zu galoppieren, umzingelt von Beton, Autos, Wohnhäusern. Hinter dem Reklame-Cowboy leuchtet es orange, als reite der einsame Held vor einem Sonnenuntergang. Die Farbe kommt von einem weiteren Wohnhaus, das hinter zwei grauen Brandmauern hervorlugt. Mit wenigen Strichen und Farbtupfern hat der Zeichner eine typische Straßenszene aus Berlin-Mitte festgehalten und sie zur Metapher erhoben für das Wechselspiel zwischen Alt und Neu, zwischen Aufbruch und Verharren, das für Viertel wie dieses symptomatisch ist.

Es ist der Blick des Zugezogenen, der Dinters Werk prägt, seitdem der gebürtige Hamburger vor 13 Jahren über den Umweg der bayerischen Barockstadt Landshut nach Berlin kam. Die Stadtbilder von Dinter sind Dokumente des Übergangs, wie er gerade zwischen den Berliner Bezirken Mitte und Pankow auch 17 Jahre nach dem Mauerfall immer noch allgegenwärtig ist.


KOD - 72x90cm, Silkscreen, 4 colours, 2006

Die Schnelllebigkeit, mit der sich Berlins östliche Innenstadt wandelt, ist dem 1971 geborenen Künstler suspekt und fasziniert ihn zugleich. Als Dinter, der zum Studium an die Kunsthochschule Weißensee nach Berlin kam, seine erste Wohnung an der Grenze zwischen Mitte und Wedding bezog, fühlte er sich in einen melancholischen Film von Wim Wenders versetzt.

Tatsächlich strahlen Dinters Bilder eine ähnliche Atmosphäre aus wie die meditativen Kinobilder und Fotos des Regisseurs. Beispielhaft zeigt das eine Szene aus der Torstraße: Zwischen zwei Wohnblöcken steckt ein niedriger 30er-Jahre-Bau, auf dessen Fassade die verblassten Buchstaben „kod“ zu erkennen sind – Relikte des Schriftzuges „Skoda“ aus DDR-Zeiten. Die Buchstaben hat Dinter leuchtend gelb unterlegt, die gleiche Farbe ziert einen modernen Transporter vor dem Gebäude.

Auch wenn auf dem Bild kein Mensch zu sehen ist, hat man das Gefühl einer belebten Szene, einer Auseinandersetzung zwischen Vergangenheit und Zukunft, Abschied und Neuanfang. Eine Kulisse, gemacht wie für einen Berlinfilm, auch wenn der nur im Kopf des Betrachters abgeht.

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