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Jan Feindt



Wem durch die tägliche Medienflut die Bilderwelt blass und uninteressant geworden ist, der wird durch Jan Feindts Arbeiten geweckt und neu sensibilisiert. Der in Norddeutschland geborene Künstler studierte in Hamburg und Tel Aviv und lebt heute als Illustrator und Comic-Autor in Berlin.

Seine freien Arbeiten, häufig Frauenportraits und Stadtszenerien, entstehen in einer manuell-digitalen Mischtechnik: Auf klassische Weise mit Tuschestift und Pinsel gezeichnete Bilder werden am Computer bearbeitet und koloriert. Trotz der digital erzeugten Kontrastschärfe und grellen Farbigkeit bleibt jedoch die ‚handwerkliche’ Qualität weiterhin sichtbar.

Während der lebendige, aber präzise Strich an die berühmte ‚ligne claire’ des belgischen Zeichners Hergé erinnert, gewinnen die locker gesetzten schwarzen Schattenflächen eine eigene, fast ungegenständliche Wirkung. Thematisch stellt die Pop-Kultur für Jan Feindt eine wichtige Inspirationsquelle dar. Motive aus Werbung und Mode, Spielfilm und auch Pornografie dienen als Vorbilder für eine grafische Inszenierung, welche die abgenutzten Formate zu etwas Neuem und Unabhängigen macht. Wenn beispielsweise eine fein gezeichnete, laszive Frauenfigur von einer leuchtenden Farbstruktur überlagert wird, gewinnt die artifizielle Glätte und Beliebigkeit des Vorbildes eine neue Individualität und Würde.

Die Ästhetisierung geschieht jedoch nicht mittels Abmilderung oder künstlich erzeugter Unschärfe, wie beispielsweise bei den bekannten "Nudes" des Fotokünstlers Thomas Ruff. Vielmehr wird hier ganz im Gegenteil eine Verschärfung und Konfrontation unternommen. Dies spielt auch bei den Stadtszenen eine Rolle, die mit harten Schwarz-Weiß-Kontrasten einen neuen Blick auf scheinbar bekannte Straßenansichten erlauben.


Brown Acid - Drawing, 2007

Durch die Motivwahl und verschiedene andere Bildelemente wird auf die Bildsprache und Themen der Pop-Art angespielt. Im Gegensatz zu jener spielt Ironie bei Feindt nur eine untergeordnete Rolle. Die Frauenfiguren möchten ernst genommen werden und behalten eine eigene, sinnliche und mysteriöse Ausstrahlung. Sowohl bei den Stadtlandschaften als auch bei den Figurenbildern kommt es Feindt auf eine Intensivierung der Wahrnehmung an.

Die Provokation ist nicht Selbstzweck, sondern ordnet sich Feindts ästhetischem Konzept unter. Das Resultat ist eine charaktervolle, expressive und anspruchsvolle Illustrationskunst.

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