
„Treten Sie ein, fantastische Abenteuer warten auf Sie!“ – So oder ähnlich könnte eine Einladung an die Betrachter der digitalen Collagen Hélène Buillys lauten. Verschiedenste Elemente aus Hollywood- und Hong-Kong-Film, Märchenbuch und orientalistischer Salon-Erotik fügt die französische Künstlerin zu fantasievollen und temporeichen Kompositionen zusammen.
Geboren und aufgewachsen in Paris studierte Builly an der dortigen Ecole de Graphisme und arbeitet seit 2001 als freischaffende Illustratorin. Bereits zahlreiche Veröffentlichungen hat sie vorzuweisen und erhielt darüber hinaus den ersten Preis ex-aequo des Institut Francais du Design.
Meist stehen ein oder mehrere Figuren im Mittelpunkt ihrer Arbeiten, die als Protagonisten einer Bilderzählung fungieren. Ob es ein sinistrer Herr mit dünnem Schnurrbart in einem fernöstlichen Ambiente ist oder Rotkäppchen und der Wolf in einem Wald mit riesenhaften Nackten, stets ist ein starkes narratives Moment vorhanden. Obwohl selbstverständlich unbewegt und ohne Ton, sind diese Bilder nicht still. Durch ihr Temperament drängen die Szenen vorwärts in Richtung einer unbekannten Wendung und verleihen dem Bild eine beträchtliche Dynamik und Ausdruckskraft. Trotz der turbulenten ‚Handlung’ reißt die Kontinuität des gegenständlichen Bildgefüges jedoch nicht ab, wie in anderen, stärker verfremdeten Collagen, wie sie beispielsweise von Pop-Art-Künstlern geschaffen wurden.
Die einzelnen Bildelemente behalten einen Bezug zur Szene auch dann, wenn er rätselhaft scheint oder in eine andere Richtung weist, als die ‚Haupthandlung’. Überhaupt ist diese Fülle an Elementen, die über das eigentliche Bild hinaus weisen, ein wesentlicher Zug dieser Arbeiten. Beinah wie in einer postmodernen Zitatsammlung wird auf die amerikanische Weltpolitik, mediale Inszenierungen von Weiblichkeit oder auch die durch Bestimmungsbücher vermittelten Naturvorstellung angespielt.
Dabei bleibt, um es nochmals zu betonen, die Integrität des inhaltlichen, noch so fantastischen Zusammenhalts der Szene innerhalb des Bildes weiterhin erhalten. Auch ist immer ein gewisser Humor im Spiel, der die thematischen Aspekte jeder pathetischen oder bitteren Beimischung enthebt.
Fülle, Tempo und Fantasie und Witz sind die vier Grundpfeiler von Hélène Buillys Arbeiten. Tritt der Betrachter in ihre Bildwelten ein, kann er sich in mehrfacher Hinsicht auf ein sowohl intellektuelles wie emotionales Vergnügen gefasst machen.