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Frédéric Coché



Ars Simia Naturae – Die Kunst ist der Affe der Natur. Bereits die Wahl dieses Zitates von Boccaccio als Titel für eine Bildgeschichte lässt den Kosmos voller Anspielungen und Verweise erahnen, den der französische Künstler Frédéric Coché mit seinen Radierungen erschafft.

Der Affe steht hier nicht nur für das Nachäffen der Natur, sondern fungiert als triebhaftes Alter Ego des Menschen. Damit wird ein erotischer Reigen eröffnet, über den sich ganze Forschungsarbeiten verfassen ließen, wäre hier nicht die Beschränkung auf einen kurzen Überblick erforderlich.

Coché studierte an der école des beaux-arts in Nancy, lebt und arbeitet heute jedoch in Berlin. Obwohl auch als Maler und Zeichner aktiv, ist er hauptsächlich durch seine druckgrafischen Serien und Bilderbücher bekannt geworden, die bereits mehrfach ausgezeichnet wurden. Seine bevorzugte Technik ist die klassische Radierung, bei der die Zeichnung in eine lackierte Metallplatte geritzt und mittels eines Säurebades vertieft wird. Der Künstler zeigt hier eine große Könnerschaft und erweist den alten Meistern der manuellen Druckgrafik seine Referenz. Cochés skizzenhaft-lockere, aber präzise Strichführung sowie seine kontrastreiche Hell-Dunkel-Manier lassen dabei vor allem an Rembrandt denken.


Ars simia naturae Nr. 14 - Etching, 2005

Die Bildgeschichte Ars Simia Naturae kommt ohne Text aus. Thematisch knüpft die Serie an ein alchimistisches Holzschnittwerk von 1550, das Rosarium Philosophorum an. Ins Bild gesetzt wird dort die mystische Hochzeit von Sonne und Mond, an deren Ende ein zweigeschlechtliches Wesen, der Hermaphrodit steht. Diesen Kontext nützt Coché für eine erotische Jagd, in der Frauen von Affen-ähnlichen Bestien mit gewaltigen Phalli verfolgt werden, kopulierende Paare durch Schlüssellöcher beobachtet werden und am Ende die magische Vereinigung und Verwandlung steht.

Bei aller drastischen Freizügigkeit verraten Einzelszenen mit Schlafenden aber den Traumcharakter der Geschichte. Über die alchimistische Thematik hinaus werden damit neue Bedeutungsfelder erschlossen, in denen die unbewusste Triebwelt des Menschen eine große Rolle spielt. Auch die Sehnsucht nach einer natürlich-freien Sexualität ist ein wichtiger Aspekt. Besonders einige Landschaftsszenen verweisen außerdem auf die bukolische Erotik und die mythologische Suche nach dem Götterberg Parnass in Gemälden Poussins.

Darüber hinaus sei Paul Gaugin erwähnt, dessen Suche nach einem unverfälschten Naturzustand Coché ebenfalls einiges verdankt. Zu guter Letzt illustriert ein Satz aus dem Rosarium Philosophorum vielleicht am eindrücklichsten den Reiz und den Gehalt der Bildwelten Cochés: „Wo immer wir offen gesprochen haben, haben wir nichts gesagt. Aber wo wir etwas verschlüsselt und in Bildern niedergeschrieben haben, dort haben wir die Wahrheit verhüllt.“

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