Künstler

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Finn Campbell-Notman



Eine subtile Stimmung aus verhaltener Melancholie und dem schwerelosen Charme alter, handkolorierter Fotografien geht von den Arbeiten Finn Campbell-Notmans aus. Der junge englische Künstler, ausgebildet am Londoner Royal College of Art, hegt eine Vorliebe für klare, in sich ruhende Darstellungen, in denen oft die Landschaft eine zentrale Rolle spielt.

Verblüffend ist Campbell-Notmans Technik: Delikate Farbschattierungen und charaktervolle Konturen vermitteln den Eindruck manueller Lithografien oder Gouachen. Die Arbeiten entstehen jedoch mittels eines digitalen Zeichenbretts und darauf folgender Bearbeitung am Computer.

Unschwer sind hier stilistische Einflüsse japanischer Farbholzschnitte, beispielsweise der Landschaften Hokusais mit ihren zarten Farbharmonien zu erkennen. Auch zu den prägnant konturierten Farblithografien Toulouse-Lautrecs oder den aquarellierten Zeichnungen Carl Larssons existieren Querverbindungen. Die hier gezeigten Arbeiten widmen sich auf illustrative Weise dem Thema ‚Baum’. Einzelne Bäume oder Paare, schlanke Laubbäume, Palmen oder Akazien-artige Gewächse stellt Campbell-Notman vor flächige, sparsam strukturierte Hintergrundlandschaften. Obwohl damit eine gewisse Monumentalität erreicht wird, handelt es sich jedoch nicht um Portraits existierender Bäume, sondern um bestimmte, prototypische Baumcharaktere.


Desert Evening - Photoshop, 2006

Mit aufgerufen werden hier die jeweils zugehörigen, kulturell gewachsenen Konnotationen, wie beispielsweise Einsamkeit, Stärke oder auch die Fortdauer des Lebens. Wenn beispielsweise eine Arbeit mit einem einzeln stehenden Baum auch noch den Titel The Sentinel (Der Wächter) trägt, gerät unweigerlich gerät Caspar David Friedrichs berühmter Einsamer Baum von 1822 in der Berliner Nationalgalerie in das gedankliche Blickfeld. Wichtiger noch als diese symbolischen Anspielungen sind jedoch die bildlichen bzw. koloristischen Inszenierungen der Bäume.

Der erwähnte Wächter ist zum Beispiel vor einen bräunlich diffusen, hinter dem Baum aber golden leuchtenden Hintergrund gesetzt, der im Gegensatz zu Friedrichs Strenge eine eher magisch-weiche Stimmung entstehen lässt. Andere Blätter zeigen mitunter auch düsterere Wirkungen, wenn beispielsweise eine Reihe dunkler Zypressen Assoziationen an die Toteninseln Arnold Böcklin weckt.

Die atmosphärischen Werte gewähren den Arbeiten Campbell-Notmans nicht nur ihre Expressivität, sondern setzen einen Imaginationsprozess in Gang. Die inneren Bilder illustrieren so gleichsam die äußeren und verleihen den Landschaften eine besondere, mehrdimensionale Qualität.

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