
Dass die Melancholie ist auch eine Muse der Zeichenkunst ist, zeigen die Arbeiten von David Foldvari. Fernab jeder künstlichen Attitüde jedoch spiegeln seine Figuren eine ehrliche Sensibilität für die Schattenseiten des Lebens, ohne aufdringlich zu sein. Der gebürtige Ungar Foldvari lebt bereits seit 20 Jahren in London. In seinen Zeichnungen mischen sich osteuropäische Wurzeln mit den Bedingungen des modernen Großstadtlebens. Identitätsproblematik, Entfremdung und Vereinzelung sind allgemeine Bildthemen, die durch seine Situation als Immigrant eine besondere Verschärfung erfahren.
Der Stil seiner Arbeiten changiert zwischen veristischer Drastik, poetischer Verschleierung und grafischer Stilisierung. Gesichter sind oft genauer ausgeführt als die zugehörigen Körper, die sich zuweilen zu abstrakten dunklen Flächen verselbständigen. Ränder von Farbflächen fasern aus und zerfließen zu kalligraphischen Schlieren. Hell-Dunkel-Kontraste spielen eine große Rolle und unterstreichen die Wirkung dieser graphischen Objekte.
In ihrer Suche nach der conditio humana stehen Foldvaris Arbeiten der Kunst eines Schiele, Grosz oder auch Dix nicht nach. Anders als bei jenen jedoch ist der liebevolle Blick auf den Menschen nicht sozialkritischem Scharfblick untergeordnet oder nur subkutan spürbar, sondern macht sich direkter bemerkbar. Wichtiger als die genannten Verfremdungen ist hierfür jedoch Foldvaris Auffassung der Figuren, die trotz Schwermut und morbidem Charme eine ganz spezifische Anmut ausstrahlen.