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Tobias Mannewitz - Der Palast

12. September - 26. Oktober 2008



„19. Januar 2006. Nacht. Ich hocke auf der Strasse „Unter Den Linden“ auf dem Bordstein, vor mir mein Skizzenblock. Der Palast liegt im Dunkel. Es ist klirrend kalt, circa -12 Grad - meine Farbe gefriert mir fast auf dem Pinsel. Ein Passant photographiert mich. Drei Leute vom Wachschutz beäugen mich misstrauisch. Ein Mannschaftswagen der Polizei rollte die Straße hinunter, durch die große Frontscheibe kann man die Gesichter der Fahrzeuginsassen sehen. Ihre Blicke sind nicht auf den Dom oder eines der anderen Baudenkmäler des Platzes gerichtet, sondern auf den Leichnam des Palasts der Republik.“

Tobias Mannewitz und der Palast der Republik. Das ist eine spezielle Geschichte, denn Mannewitz, einer der erfolgreichsten deutschen Concept-Artists für Computerspiele, beschäftigt sich schon „von Berufswegen“ mit imaginären Palästen, virtuellen Königreichen und ihren Prachtalleen, er entwirft die Inneneinrichtung von Zarengemächern und mongolischen Zeltsiedlungen.

Als Illustrator in der Computerspiele-Entwicklung ist er einer der progressivsten Kulissenmaler für Computerspiele – so wie es Adolphe Appia zu Beginn des 20. Jahrhunderts für das Theater war. Wie Appia auch zeichnet und malt sich Mannewitz in seinen freien Arbeiten sein ganz persönliches Universum. Paläste spiele auch hier eine große Rolle. Die Vergänglichkeit dieser „in Stein gemeißelten Symbole“ ist es, die Mannewitz in seinen großformatigen Ölbildern einfriert und von dieser erzählt er – wie bei seinem jüngsten Zyklus über den Palast der Republik – die für jedermann sichtbare, aber übersehende Verfallsgeschichte.

Der Palast ist das ästhetische Symbol einer politischen Ära. Der Palast der Republik, Kulturhaus und Sitz der machtlosen Volkskammer, des sogenannten Parlaments der DDR, wurde am 19. September 1990 wegen Asbestverseuchung geschlossen. Kaum drei Wochen später erfolgte der Zusammenschluss von Ost- und Westdeutschland. Die DDR hatte aufgehört zu existieren. Acht Jahre lang stand der Bau leer. Eine Sanierung des Gebäudes, das vielen als architektonisches Symbol einer Überkommenen Gesellschaftsordnung diente, wurde nie ernsthaft in Betracht gezogen. Zwischen 1998 und 2003 wurde der im Baukörper vorhandene Asbest entsorgt, der Bau nahezu komplett entkernt. Zurück blieb lediglich ein glasumkleidetes Skelett aus Beton und Stahl. Die Fassade hatte unter den Maßnahmen schwer gelitten, und längst hatten sich Sprayer und Street Artists über Teile der Ruine hergemacht. Am 19. Januar 2006 beschloss der Deutsche Bundestag endgültig, den ehemaligen Palast der Republik abreißen zu lassen.

Noch am gleichen Abend war Tobias draußen auf den Straßen. Im Gepäck: Acrlyfarben und ein Skizzenblock. Er wusste: Hier geschieht Geschichte vor seinen eigenen Augen. Tobias Mannewitz wollte dann auch mehr dokumentarisch malen als interpretativ: „Ohne mein Zutun entsteht hier eine Serie von Historiengemälden, die den Prozess der Wiedervereinigung mit einem letzten, spektakulären Endpunkt versieht. Kein New Yorker, kein Kapstädter, kein Moskauer - nur ein Einwohner Berlins wäre in der Lage, diesen politischen, historischen, aber auch ästhetischen Prozess festzuhalten. Ich hatte eine Aufgabe.“ Tobias Mannewitz (*1979 in Oldenburg) ist Maler und seit 2003 einer der wenigen hauptberuflichen deutschen Concept Artists für Computerspiele. In seinem Brotberuf entwirft er Designs und zeichnet Umgebungen und Charaktere für Spiele, die innerhalb eines vorgegebenen Systems funktionieren müssen und anschließend von 3D-Modellierern umgesetzt werden. Tobias Mannewitz lebt seit 2002 in Berlin, hat in Halle, Leipzig und Potsdam studiert. Die Serie "Palast der Republik" ist sein erster Zyklus von Ölgemälden. Vernissage: am 12. September 2008, 19.00 Uhr


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